Während das europäische Ausland sich im Zeitalter der Digitalisierung und E-Commerce dem Punkt der Zeit mit Ferndiagnosen und Online Rezeptausstellungen angepasst hat, wird in Deutschland dieses Thema kritischer behandelt. Dabei bringen Ferndiagnosen und Online Rezeptausstellungen zahlreiche Vorteile für den Patienten mit sich. Die virtuelle Arztpraxis macht es möglich.

Ist die Ferndiagnose in Deutschland erlaubt?

Nein. Im letzten Jahr wurde ein entsprechender Gesetzesentwurf vom deutschen Bundeskabinett verabschiedet, Online Rezeptausstellungen sowie Ferndiagnosen innerhalb Deutschlands zuzulassen. Die Begründung beruht darauf, dass eine persönliche Vorstellung beim behandelnden Arzt durch Nichts zu ersetzen sei. Das Bundeskabinett bezog sich auf die Rezeptpflicht zum Schutz der Gesundheit eines Patienten, sowie um einem Medikamentenmissbrauch bestimmter Wirkstoffe zu verhindern.

Zahlreiche Medizinexperten sind hier anderer Meinung und sehen eine Art Pflicht darin, dass sich Deutschland zahlreichen EU-Ländern anschließt. Die Bedenken, welche zur Verabschiedung des Gesetzesentwurfs führten, seien nicht zeitgemäß, denn mittlerweile gehen einige virtuelle Arztpraxen im Ausland mit Ferndiagnosen und Online Rezeptausstellungen mit gutem Beispiel voran, wie es gut funktionieren kann. Allerdings ist in Deutschland bereits die Telemedizin präsent, wenngleich sie neben der Rezeptausstellung via Internet ebenso in anderen Gebieten stark eingeschränkt ist.

So bewegt sich die Telemedizin zum Beispiel bei der Ferndiagnostik vor allem im Bereich der Zuziehung von Spezialisten, die per Videoübertragung in das Behandlungszimmer dazu geschaltet werden. Nur in Verbindung des Arztes Vorort, darf der Spezialist unter Einhaltung strengster Richtlinien ein Rezept ohne persönlichen Patientenkontakt ausstellen. Erlaubt wäre dies zum Beispiel in dem Fall, wenn der Patient eine spezielle Gliedmaßenprothese benötigen würde. Ausnahmen sind also möglich, aber selten der Fall und bei rezeptpflichtigen Medikamenten bisher gänzlich ausgeschlossen.

Wie wird das Online Rezept ausgestellt?

Vorab: Grundsätzlich darf eine Online Apotheke kein Rezept selbst ausstellen und ebenfalls kein rezeptpflichtiges Medikament ohne Einreichung eines Rezepts verkaufen. Um ein Rezept online ausstellen zu lassen, stehen zwei verschiedene Möglichkeiten zu Verfügung:

  • Der Online-Apotheke ist ein Arzt angeschlossen, der virtuell "konsultiert" werden kann
  • Eine virtuelle Arztpraxis wird unabhängig von einer Online Apotheke über das Internet aufgesucht

Generell sollte es sich stets um eine in der EU-zugelassene Online Apotheke handeln, wenn über diese zusätzlich eine virtuelle Arztkonsultation mit Ferndiagnostik und/oder Online Rezeptausstellung stattfinden kann. Zahlreichen Online Apotheken sind zugelassene Ärzte angeschlossen und über diese erreichbar. Der Kontakt zwischen Patient und Arzt wird über die Online-Apotheke hergestellt beziehungsweise notwendige Aktionen über die Website der Online Apotheke abgewickelt.

Bei der virtuellen Arztpraxis wird in der Regel der Arzt selbst und direkt kontaktiert. In beiden Fällen erhält der Patient ein Formular mit den verschiedensten Fragen über persönliche Daten, Krankheitsgeschichte, bekannte Allergien, Symptome, eventuelle Medikamenteneinnahmen, aktueller Gesundheitszustand und gegebenenfalls über die medizinische Familienchronik.

Zu den persönlichen Daten zählen vor allem Alter, Körpergewicht, Blutdruck und eventuelle Risikofaktoren, wie zum Beispiel Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum. Durch die Patienteninformationen entscheidet der Arzt, ob das gewünschte Rezept an den Patienten ausstellt werden kann. Hier steht in erster Linie im Vordergrund, ob das Medikament ohne erhöhtes gesundheitliches Risiko vom Patienten eingenommen werden kann.

Generell der Arzt in der virtuelle Arztpraxis von den Angaben des Patienten abhängig. Dieser wird zwar auf die Wichtigkeit von wahrheitsgemäßen Antworten aufmerksam gemacht, aber inwieweit der Patient sich daran hält, liegt nicht im Ermessen des Online Arztes. Das Online Rezept wird dann entweder direkt an die Apotheke gesendet oder auf Wunsch an den Patienten verschickt.

Telemedizinische Angebote sind im EU-Ausland erlaubt

Teilweise sind telemedizinische Angebote im EU-Ausland bereits seit vielen Jahren legal möglich, wie zum Beispiel in Großbritannien, Norwegen, Schweden und den Niederlanden. Selbst in der Schweiz ist das Bundesgesundheitsministerium seit Jahren offen für telemedizinische Angebote.

Grundvoraussetzung ist, dass es sich um im jeweiligen Land zugelassene Ärzte handelt, die offiziell praktizieren dürfen. Die telemedizinischen Angebote sind derzeit dennoch im EU-Ausland eingeschränkt. Am meisten werden Rezeptanfragen gestellt, die sich auf folgende Medizinbereiche erstrecken:

  • Potenzmittel (z.B. Viagra, Cialis oder Levitra)
  • Hormonelle Verhütungsmittel (Antibabypille, Minipille, Vaginalring oder Hormonpflaster)
  • Medikamente gegen Asthma (Ventolin (Salbutamol), Seretide oder Symbicort)
  • Diverse Arzneimittel gegen Geschlechtskrankheiten (Aldara und Wartec gegen Genitalwarzen, Doxycyclin 100 & 200 mg sowie Azithromycin 250 & 500mg zur Behandlung von Chlamydien oder Aciclovir zur Behandlung von Genitalherpes)
  • Behandlung von Haarausfall (Propecia)
  • Diabetes mellitus (Metformin, Janumet oder Januvia)
  • Fettleibigkeit (Xenical 120mg)
  • Raucherentwöhnung (Champix)
  • Akne (Antibabypille Diane 35 gegen Akne, Terramycin Oxytetracyclin oder Minocyclin 100mg)

Medikamente, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, sind von den telemedizinischen Angeboten in den EU-Ländern ausgeschlossen.

Wie funktioniert die virtuelle Arztpraxis?

Der Patient muss online seine Beschwerden exakt beschreiben und Informationen zu Verfügung stellen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem aktuellen Gesundheits- beziehungsweise der körperlichen Verfassung stehen könnten.

In manchen Fällen untermauern Patienten sichtbare Erkrankungsmerkmale durch Fotos, die sie ihren Angaben hinzufügen. Je nach Medikament und Erkrankung, stellt der Arzt weitere Fragen. Dies kann je nach Arzt über einen Chat oder via Kontaktformular geschehen. In manchen Fällen bedienen sich virtuelle Arztpraxen auch einer Videotelefonie. Auf diese Weise können sie sich selbst einen optischen Eindruck über sichtbare Erkrankungsmerkmale verschaffen.

Die Patienteninformationen sowie medizinische Ergebnisse und Leistungen werden in einer elektronischen Krankenakte angelegt, welche online archiviert wird. Das bedeutet, Arzt und Patient können hier jederzeit online darauf zugreifen und Einblick nehmen. Die elektronische Patientenakte ist durch ein Passwort geschützt, so dass unbefugte Dritte nicht darauf zugreifen können. Bei einer erneuten Rezeptanfrage oder Online Konsultation erübrigt sich dann eine weitere Abfrage, es sei denn, vorherige Informationen stimmen nicht mehr mit der aktuellen Situation überein.

Welche Vorteile bringt die Telemedizin und Online Rezeptausstellung?

In erster Linie bringt die Telemedizin eine hohe Zeitersparnis. Vor allem, wenn Patienten einen Facharzt konsultieren möchten oder müssen, sind in Deutschland heutzutage Wartezeiten von vielen Wochen keine Seltenheit. Selbst für ein simples Rezept beim Hausarzt, sitzen Patienten oftmals für ein oder zwei Stunden in überfüllten Warteräumen und setzen sich gegebenenfalls durch andere Patienten einem erhöhten Ansteckungsrisiko aus.

Mit der Telemedizin und einer möglichen Ferndiagnostik plus Rezeptausstellung sparen sich Patienten diese langen Wartezeiten. Eine gezielte Behandlung kann somit früher in Anspruch genommen und idealerweise eine Linderung beziehungsweise Genesung schneller erreicht werden. Die Ansteckungsgefahr durch den Kontakt mit anderen kranken Patienten sinkt auf Null.

Vor allem bei älteren Patienten, die in ländlicher Gegend wohnen, wo kaum Busverkehr zu finden ist, zeigt sich die Telemedizin sowie die Online Rezeptausstellung als sehr vorteilhaft. Insbesondere gehbehinderte Patienten finden in dieser Variante der medizinischen Leistung, eine Möglichkeit, unkompliziert und zügig an ein Rezept zu gelangen.

Vielfach nehmen Patienten das Online Rezept sowie die virtuelle Arztpraxis in Anspruch, wenn es sich um ein delikates medizinisches Thema handelt, wie zum Beispiel Potenzmittel oder Medikamente gegen Geschlechtskrankheiten. Hier schämen sich betroffene Patienten oft und wagen deshalb nur selten oder gar nicht den Weg zum Arzt sowie in die lokal ansässige Apotheke.

Durch die virtuelle Arztpraxis sowie das Online Rezept und Online Apotheke fühlen sich diese Patientengruppen meist anonymer. Aus der Distanz heraus fällt es ihnen leichter, über ihr gesundheitliches Problem zu “sprechen”, um eine entsprechende Medikamentenbehandlung erhalten zu können.

Zudem ist die virtuelle Arztpraxis für ein Online Rezept von überall auf der Welt erreichbar. Hier finden insbesondere sich im Ausland befindliche Patienten im Vorteil, wenn Sie medizinische Hilfe benötigen, die Ihnen eventuell aufgrund von Sprachschwierigkeiten oder mangelnder Gesundheitsversorgung nicht zuteil werden kann.

Oft kommt es vor, dass erst am Urlaubsort auffällt, dass benötigte Medikamente zu Hause vergessen wurden. So kann zumindest innerhalb der EU-Länder über die Telemedizin ein Online Rezept ausgestellt und gegebenenfalls direkt an eine Online Apotheke weitergereicht werden, welche das Medikament dann innerhalb der EU versenden kann.

Treated.com Online-Klinik

Die Online-Klinik Treated.com ist in den Vereinigten Königreichen zugelassen und erlaubt somit eine Ferndiagnose sowie eine Online-Rezeptausstellung für alle Bürger innerhalb der EU. Sie können auf Treated.com Ihr Medikament ohne Rezept von Ihrem Arzt online bestellen, da die Ärzte auf Basis eines von Ihnen auszufüllenden Online-Fragebogens Ihren medizinischen Daten erfassen. Anschließend wird die Behandlung per Expressversand an Sie versendet.

Quellen:

  1. Anja Schlicht: Ärztliche Behandlung aus der Ferne: Deutschland verpasst große Chance. (Interview mit David Meinertz von der Online-Arztpraxis DrEd) In: finanzen.de, abgerufen am 26. Juni 2018.
  2. Sebastian Balzter: Der heiße Draht zum Hausarzt. In: faz.net, abgerufen am 26. Juni 2018.
  3. Prof. Dr. Ulrich M. Gassner: Verbot von Online-Verschreibungen von Medikamenten: Pati­en­ten­au­to­nomie unter Dau­er­feuer. In: Legal Tribune Online. URL: lto.de, abgerufen am 26. Juni 2018.
  4. E-Health-Gesetz. In: Bundesministerium für Gesundheit. URL: bundesgesundheitsministerium.de, abgerufen am 26. Juni 2018.
  5. Rainer Woratschka: Fernbehandlungsverbot: Wie Telemedizin künftig zum Einsatz kommen könnte. In: Tagesspiegel Online. URL: tagesspiegel.de, abgerufen am 26. Juni 2018.
  6. Krüger-Brand, Heike E.: Telemedizin: Hinweise zur Fernbehandlung. In: Deutsches Ärzteblatt, Aktuelles aus der Gesundheitspolitik, neueste Studien aus der medizinischen Forschung, Nachrichten aus der ärztlichen Berufspolitik und den Hochschulen. Dtsch Arztebl 2016; 113(1-2): A-8 / B-8 / C-8. URL: aerzteblatt.de, abgerufen am 26. Juni 2018.